Ortsbild-Erhaltung – Aktivitäten 2013

 

Nikolassee ist eine der schönsten Ecken von Berlin. Das Gebiet um die Rehwiese gehört zu den architekturhistorisch bedeutenden Vierteln in Deutschland. Die typischen Landhäuser und Villen aus der Gründungszeit der Villenkolonie ab 1901 prägen bis heute das Straßenbild.

Schon lange beobachten wir die rege Bautätigkeit bei gleichzeitiger Veränderung des Ortsbildes in Schlachtensee und Wannsee von Bauträgern und Investoren. Diese droht nun als Dominoeffekt auf Nikolassee überzuschwappen. So genannte Stadtvillen und Flachdach-Mehretagenhäuser sind bereits in der Burgunder, der Normannen-, Lückhoff- und Schopenhauerstraße sowie der südlichen Straße An der Rehwiese zu finden, und ein Ende dieser ortsbildzerstörenden Bautätigkeit scheint nicht absehbar. Dabei wird mit nicht nachzuvollziehenden Ausnahmegenehmigungen („Dispens") wenig Rücksicht auf alte Bäume und die benachbarten älteren Häuser genommen, von denen in unserem Ortsteil zahlreiche (aber nicht genug) unter Denkmalschutz stehen. Dass es auch anders geht, beweisen in jüngster Zeit die Häuser in der Prinz-Friedrich-Leopold-Str. 10 und Von-Luck-Str. 15 (Umbau) bzw. – trotz Flachdach – Spanische Allee 77 und Tewsstr. 8 (Neubau), aber auch die vielen liebevoll durchgeführten, denkmalwürdigen Sanierungen.

Für unseren Ortsteil gibt es jedoch keinen Bebauungsplan (der – allerdings zu bemängelnde – Entwurf schmort seit 20 Jahren im Rathaus), ebenso keine sog. Erhaltungssatzung, die das Ortsbild mit seiner ursprünglichen Bebauung schützt und für Neubauten – denn nicht alle Häuser, besonders aus den 1960/70er, aber auch aus den 1930 Jahren sind erhaltenswert – klare, für das Erscheinungsbild verträgliche Bauvorschriften vorgibt, sowie es die Gründungsväter unserer einstigen Villenkolonie in ihrem „Ortsstatut gegen die Verunstaltung von Straßen und Plätzen“ bereits 1911 regelten (Abdruck im „Nikobuch“ 2008, S. 30–31).

Auf eine diesbezügliche Anfrage an Bezirksbürgermeister Kopp antwortete zuständigkeitshalber Stadtrat Schmidt in einem Schreiben, das jedoch keine zufriedenstellenden Antworten gibt.

Als Vorbild für eine Erhaltungssatzung kann diejenige für das „Prinzenviertel" in Karlshorst dienen, wo die Heimstätten-AG, der  Erbauer von Nikolassee, ebenfalls tätig war und die in Berlin als vorbildlich gilt. Die dazugehörige Denkmalkarte wäre auch für Nikolassee wünschenswert, um weitere bauliche Sünden zu vermeiden.

In einem Artikel berichtete die Berliner Woche Ende April über dieses Thema.

Die jetzige Situation ist, das wurde auch bei der Sitzung des Stadtplanungsausschusses am 7. Mai deutlich, unbefriedigend und ermöglicht weitere Abrisse und Bausünden. Mitte Mai wurde daher eine Unterschriftenaktion gestartet mit den Forderungen:

„Wir fordern das Bezirksamt auf, für das ursprüngliche Siedlungsgebiet der „Villenkolonie Nikolassee" eine Erhaltungssatzung unter Beteiligung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger sowie ergänzend eine Karte der prägenden Gebäude/Ensembles und störender Gebäude zu erstellen und festzusetzen. Darauf basierend ist ein Bebauungsplan zu erarbeiten.“

Dies würde auch der bezirklichen Stadtplanung und der Unteren Denkmalschutzbehörde ein verbindliches Instrument in die Hand geben und Auseinandersetzungen vermeiden.

Die Festellung einer Ortserhaltungssatzung ist auch eine wesentliche Voraussetzung, um die nun denkmalwürdigen Gasleuchten in Nikolassee erhalten zu können.

Die Berliner Morgenpost berichtete am 13. Mai ausführlich über die Initiative (Layout für PDF geändert), am 14. Mai erschien ein weiterer Bericht in berlin-aktuell (in dem allerdings ein Hinweis auf die vielen Bauten zwischen 1901 und 1914 fehlt).

Unabhängig von dieser BI-Aktion hatte sich fast gleichzeitig eine Nachbarschaftsinitiative in der Lückhoffstraße gebildet, die sich gegen den Neubau eines dortigen Hauses richtete und in dieser Angelegenheit beim Stadtplanungsausschuss der BVV vorstellig wurde. Dieser führte am 4. Juni einen Ortstermin durch, auf dem unter den rd. 200 Anwesenden auch über die Ortsbilderhaltung lebhaft diskutiert wurde. Berliner Morgenpost und Berliner Woche berichteten ausführlich.

All dies führte dann am 11. Juni in einer weiteren Sitzung des BVV-Stadtplanungsausschusses dazu, dass ein Antrag zum Beschluss einer Veränderungssperre und zur Ausarbeitung eines Bebauungsplanes – vorerst für eines der vier Nikolasseer Siedlungsgebiete (einschl. Schlachtensee-West) – mehrheitliche Zustimmung fand und auf der BVV-Sitzung am 19. Juni eingebracht wurde.

Auf anderthalb Seiten beschäftigte sich die Berliner Morgenpost am 14. Juni ausführlich mit dem Villensterben im Berliner Südwesten, auch angeregt durch unsere Initiative; nachzulesen unter google/news/nikolassee:

Denkmalschutz: Die Retter der Villen

und

Der Berliner Villen-Streit – ein Pro und Contra

 

Am 2. September beschloss der CDU-Kreisverband Steglitz-Zehlendorf, sich für eine Erhaltungssatzung der Villenviertel einzusetzen. Die Berliner Morgenpost berichtete darüber.

 

Am 10. September wurde im BVV-Stadtplanungsausschuss dem Antrag auf Veränderungssperre (s. weiter oben) mit 10 Jastimmen und 1 Neinstimme bei 3 Enthaltungen (vor allem wegen der Zerteilung des Siedlungsgebiets Nikolassee) zugestimmt. Nach der endgültigen Verabschiedung durch die BVV am 18. September (32 Ja-, 2 Neinstimmen und 14 Enthaltungen) kann die Erstellung der Bebauungspläne und einer Ortserhaltungssatzung Nikolassee in Angriff genommen werden.

 

 

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