Keine Mauer durch Nikolassee!

 

Chronologie der Aktionen und Reaktionen 1

 

Text der Sammel-Unterschriftenliste, die im Piccola Perla und bei der Informationsveranstaltung am 22. November in der Bahnhofsliste auslag:

 

An die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Anhörungsbehörde VII E

Am Köllnischen Park 3

10179 Berlin

 

Einspruch

gegen den Neubau einer Lärmschutzwand parallel zur Alemannenstraße im Zusammenhang mit der Bekanntmachung vom 02.10.2009 – SenStadt VII E 313

 

Hiermit legen die Unterzeichnenden Einspruch ein gegen die geplante 6 m hohe Lärmschutzwand, die einen irreparablen Schaden für das Landschaftsbild des unter Bestandesschutz stehenden Ortskerns von Nikolassee und der dort befindlichen, z.T. unter Denkmalschutz stehenden Bauten bedeutet. Zwar wird die Notwendigkeit gesehen, in Anbetracht des zunehmenden Güterverkehrs Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen, doch sollten diese nach modernen und bereits praktizierten Erkenntnissen – z.B. Rad- und Schienendämmung sowie radhohe Brüstungen an den Gleisen –  erfolgen und nicht mittels der geplanten monströsen, nicht mehr dem Stand der Technik entsprechenden Betonmauer, die auch zu einer erheblichen Verschattung des gesamten Areals führen würde. Außerdem fordern wir Sie im Hinblick auf die oft zitierte Bürgernähe auf, einen Anhörungstermin für die Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit Ihnen und dem Projektträger einzuberufen.

– Unterschrieben von 168 Nikolasseer Mitbürgern –

 

Am 24. November wurden die Sammellisten persönlich in der Einwendungsstelle am Köllnischen Park abgegeben und eine ergänzende Zusammenfassung nachgereicht.

 

Ausführliches Ergänzungsschreiben, in dem Sie zusammengefasst lesen können, welche Einwendungen wir gegen die geplante Lärmschutzmauer erheben.

 

 

Das stark betroffene Krause-Viertel sammelte gesondert und schrieb an dieselbe Adresse:

 

Einwendergemeinschaft                                                                             
Borussen-/Münchow-/Paul-Krause-Str.

An ...

 

wir legen Einspruch gegen den Bau einer einseitigen Lärmschutzwand in Nikolasee im Bereich Alemannenstraße/Hohenzollernplatz ein.
Insbesondere die Untersuchungen zum Teilbereich 3 überzeugen uns nicht. Vom Lärm an der S-Bahn und an der Avus sind die Straßen Münchowstraße, Borussentrasse und Paul-Krause-Straße (Teilbereich 3) komplett betroffen. Uns ist nicht verständlich, weshalb eine Notwendigkeit des Lärmschutzes auf unserer Seite der Trasse nicht gesehen wird. Alleine den Bahn-Lärm zu betrachten und nur die Schädigung der Interessen des ersten Hauses in der Münchowstraße festzustellen, greift zu kurz. Wenn nun die geplante Lärmschutzwand auf der anderen Seite realisiert wird, dann reflektiert der Schall und in unserem Wohnbereich wird es noch erheblich lauter! Dies schmälert nicht nur unsere Lebensqualität und den Wohnwert, sondern senkt den Wert der Immobilien erheblich. Spätestes nach Bau der geplanten Wand dürften dauerhaft sämtliche Werte der Lärmschutzverordnung überschritten werden. Hier liegt ein offensichtlicher Planungsfehler vor! Wir sind dabei weit davon entfernt, nun lediglich den Lärmschutz auf unserer Seite der S-Bahn zu fordern. Alternativ zum Bau einer einseitigen Lärmschutzmauer, bitten wir Sie eine integrierte Planung mit dem Bund als Eigentümer der Autobahn vorzunehmen. Hier werden ja ebenfalls seit längerer Zeit Lärmschutzmaßnahmen gefordert. Somit ist es auch begrüßenswert, dass die Bahn nun in der Pflicht zum Lärmschutz steht. Wir fordern Sie auf, einen gemeinsamen Anhörungstermin mit allen Lärmverursachern (S-Bahn, Eisenbahn, Autobahn) und den betroffenen, lärmgeplagten  Anwohnern durchzuführen. Es wäre  wenig gewonnen, wenn etwa der Lärmschutz auf unserer Seite der Trasse zwischen S-Bahn und Autobahn erfolgen würde.
Bei einer integrierten Planung würden  jedoch beide Lärmverursacher erhebliche Kosten sparen, da sie jeweils nur den Lärm auf einer Seite mindern müssen. Gesparte Kosten, die unter Umständen zur Qualitätsverbesserung des Lärmschutzes an der
Alemannenstraße/Hohenzollerndamm beitragen können. Wir bitten Sie, den folgenden Vorschlag zu prüfen:
Bau einer Lärmschutzwand an unserer Seite der Avus und Bau von 2 niedrigeren Lärmschutzwänden jeweils an den Trassen der S 1 und S 7 auf der West-Seite. Bislang wird hier ja aus Kostengründen nur an eine 6 Meter hohe Wand an der Trasse der S 1 gedacht. Die für 2 niedrige Wände erforderlichen Mehrkosten könnten durch die dargestellte integrierte Planung eingespart werden. Diese Variante würde aus unserer Sicht allen  Interessen gerecht.

 

– Unterschrieben von fast allen Bewohnern (86) des Krause-Viertels —

 

Am 25. November lief die Einspruchsfrist ab – wir hier vor Ort haben trotz der schlechten Informationen seitens der Behörden und der Bahn getan, was wir in der Kürze der Zeit machen konnten. Nun heißt es die Reaktionen des Senats abwarten.

 

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Stellungnahme der FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf von Berlin zur geplanten Errichtung einer Lärmschutzmauer entlang der S7 vom 24. November

 

„Hier werden Bürgerinteressen und jeder Sinn für Stadtplanung völlig ignoriert“ erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende und Sprecher für Stadtplanung Rolf Breidenbach.

 Die Deutsche Bahn plant entlang der S7 vom Bahnhof Nikolassee bis zur Avusüberführung den Bau einer sechs Meter hohen Lärmschutzwand aus Betonriegeln. Laut Lärmschutzverordnung sei die Errichtung der Wand aufgrund der bestehenden Sanierungsarbeiten an der Trasse notwendig, begründet die Bahn ihr Vorgehen.

Die FDP-Fraktion in Steglitz-Zehlendorf unterstützt hingegen die Initiative der Anwohner. Sie wehren sich gegen diese überdimensionierte Standardbetonwand, die das denkmalgeschützte, historisch gewachsene Ortsbild von Nikolassee stark beeinträchtigen würde. Stattdessen solle nach modernen, landschaftlich verträglichen Alternativen gesucht werden. Solche Alternativen gibt es, der Mehraufwand würde sich lohnen. Hinzu kommt, dass die Senatsverwaltung die betroffenen Anlieger entlang der Alemannenstraße und rund um den Bahnhof nicht unmittelbar informiert hat. Erst im letzten Moment erfuhren die Anwohner durch Tagespresse und Amtsblatt von den Bauplänen – eine leider übliche Verfahrensweise.

Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf werden zurzeit verschiedene Projekte diskutiert, die die touristische Attraktivität des Bezirks befördern sollen. Die FDP-Fraktion begrüßt diese Maßnahmen und hofft, dass nicht der „städtebauliche Totalschaden“, wie die Bürgerinitiative den Mauerbau nennt, den Plänen einen Strich durch die Rechnung macht.

 

Rolf Breidenbach, Fraktionsvorsitzender

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