Chronologie der Aktionen und Reaktionen 3

 

Einwendungen seitens des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf (leicht gekürzt):

 

In seinem Einwendungsschreiben vom 24.11.2009 stellt das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf durch seinen zuständigen Bezirksstadtrat Uwe Stäglin fest:, dass das Bezirksamt höchsten Wert auf den Erhalt des architektonischen Erscheinungsbildes der Brückenbauwerke legt. die als prägend für das Orts- und Landschaftsbild erkannt werden.

„Diese in Berlin einzigartige Brückenarchitektur ist weitestgehend zu erhalten. Andererseits ist auch für das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf nachvollziehbar, dass eine vollständige Wiederherstellung aller Brücken in beiden Planfeststellungsabschnitten nicht leistbar erscheint.

 

Brücke Spanische Allee

Die Brücke über die Spanische Allee, die im Zuge der Trasse der S7 die einzige Stadtstraßenüberführung bildet und daher im besonderen Maß ortsbildprägenden Charakter aufweist, ist hinsichtlich ihrer architektonischen Merkmale zu rekonstruieren bzw. diese sind nach Abbau wieder anzubringen:

• Die Oberfläche der Widerlager ist aus Kunststein bzw. Sandstein zu erstellen.

• Das Stilmerkmal der Fassadenscharierung ist wieder herzustellen.

• Die seriell gefertigten Ornamente sind vor der Brückensanierung zu sichern und am Brückenneubau an entsprechender Stelle wieder anzubringen.

• Ebenfalls unverzichtbar ist die Wiederherstellung der markanten achteckigen Brückenportalpfeiler.

Auf großflächige Werbung ist nach der Sanierung zu verzichten. Die in den Planfeststellungsunterlagen als Teil der Brückenkonstruktion erwähnten baulichen Vorbereitungen zur Aufnahme von Großwerbetafeln sind kein Bestandteil einer Planfeststellung.

Die Brücke befindet sich nach Baunutzungsplan im Übergangsbereich zwischen Nichtbaugebiet (Wald) und Wohngebiet. Der Ort des Antrages liegt im allgemeinen Wohngebiet. Dort ist Werbung gemäß § 10 Abs. 5 BauOBIn nur an der Stätte der Leistung zulässig. Dieser Fall trifft hier nicht zu. Der Anbau von Trägern für Werbeanlagen ist zu unterlassen.

 

Überwerfungsbauwerk Wetzlarer Bahn S 7 / Wannseebahn S 1, Brücke über die Parallelstraße

Die Neukonstruktion des Überwerfungsbauwerks S7 / S 1 und der Brücke über die Parallelstraße im Bereich des Bf. Nikolassee haben eine Anhebung der Trasse um ca. 0,6 m zur Folge, was die Erheblichkeit des Eingriffs begründet. Daher ist Lärmschutz gemäß 16. BlmSchV erforderlich.

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Eine 6,00 m hohe Lärmschutzwand mit einer Länge von ca. 480 m stellt nach Auffassung des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf einen gleichermaßen massiven Eingriff in das sensible Ortsbild dar.

Darüber hinaus wirkt die vorgesehene Lärmschutzwand negativ auf das Denkmalensemble Alemannenstraße 10 (Feuerwache und ehem. Rathaus Nikolassee), das Gartendenkmal Hohenzollernplatz sowie auf die Einzeldenkmäler Alemannenstraße 15/Teutonenstraße 2 und Parallelstraße 2.

Gemäß § 10 Denkmalschutzgesetz Berlin „darf die unmittelbare Umgebung eines Denkmals durch Errichtung oder Änderung baulicher Anlagen, durch die Gestaltung der unbebauten öffentlichen und privaten Flächen oder in anderer Weise nicht so verändert werden, dass die Eigenart und das Erscheinungsbild des Denkmals wesentlich beeinträchtigt werden."

Diese wesentliche Beeinträchtigung ist hier unbestritten.

Der Eingriff ist hier umso massiver, da die Schallschutzwand auf der Oberkante des Bahndammes errichtet wird. Sie überragt damit die angrenzenden Wohngebäude.

Eine Lärmschutzwand der in den Planfeststellungsunterlagen vorgesehen Dimension bietet die Fläche von 2 mal 2880 qm zum besprühen.

Eine derart verunstaltete Wand bedeutet eine potenzierte Verunstaltung des Ortsbildes. Auch wenn die Wand begrünt wird, ist keine Garantie gegen Besprühen gegeben. Die Erfahrung privater Investoren Brandwände zu begrünen, zeigt, dass die Pflanzen von der Sprayerszene bereits kurzfristig nach dem Einsetzen mutwillig zerstört werden um Sprayflächen „zu erhalten".

Darüber hinaus ist es nach meiner Auffassung nicht mehr angemessen, nur die optischen Auswirkungen einer Lärmschutzwand auf die städtische Umgebung des Bahnbauvorhabens zu beurteilen. Es sollten gleichermaßen auch die auf der „anderen Seite" im Zug sitzenden Fahrgäste berücksichtigt werden. Es wird für Bahnkunden unerträglich, kilometerweit durch verschmierte „Halbtunnels" zu fahren und von der Umgebung abgeschottet zu sein. Im Fall von Neubauvorhaben wird die Notwendigkeit des Baus von Lärmschutzwänden gemäß 16. BlmSchV in keiner Weise angezweifelt. Im vorliegenden Fall sehe ich jedoch einen eklatanten Abwägungsfehler.

Die schon vom Vorhabenträger durchgeführte „Variantenprüfung" „Lärmschutzwand 6,00 m + passivem Lärmschutz oder Lärmschutzwand 8,00 m" als den einzigen baulichen Möglichkeiten ist als Betrachtung möglicher Varianten nicht ausreichend.

 

Als unerlässlich zu prüfende und aus städtebaulicher Sicht zu präferierende Variante gilt nach meiner Auffassung der Erhalt der bestehenden Brückenkonstruktionen, die keinen erheblichen Eingriff in die Trasse verursachen und somit die Lärmschutzwand verzichtbar werden lässt.

Damit wäre jeglicher Eingriff in das Ortsbild und den Umgebungsschutz vermieden und zudem für die Fahrgäste weiterhin die freie Sicht auf die Stadt geboten, ein Qualitätsmerkmal des Bahnfahrens.

Es ist erforderlich, diese Variante auch unter dem Kostengesichtspunkt zu prüfen: Wiederaufbau der bestehenden Brückenkonstruktion contra einer 2880 qm großen Lärmschutzwand.

 

Darüber hinaus ist nicht geprüft worden, ob der geplante Aufbau der Lärmschutzwand im Wohngebiet an der Münchowstraße Schallreflexionen der Bahn selbst bzw. der AVUS erzeugt. Diese Prüfung ist nachzuholen.

Die mir vorliegende Forderung der für Denkmäler auf Bahnbetriebsflächen zuständige OD nach Freihaltung des Baudenkmales Bf. Nikolassee von Lärmschutzwänden ist soweit nachzuvollziehen, obgleich sie rechtlichen Widerspruch erzeugt.

Die Freihaltung des Denkmals um einen Betrag von wenigen Metern erscheint mir nicht umsetzbar, da eine weitreichende Lärmschneise erzeugt wird. Die Nichtberücksichtigung durch Schallimmission betroffener Gebäude mit der Begründung des Denkmalschutzes wäre für Bewohner oder Eigentümer kaum nachvollziehbar. Diese Gebäude müssten mit Schallschutzfenstern versehen werden.

Die bereits genannte Variante Brückenkonstruktionserhalt unterstützt somit auch die Belange des Denkmalschutzes.

Zu den für den Bau der Lärmschutzwand erforderlichen massiven Eingriffen in die bestehende Vegetation des Bahndammes nimmt die untere Naturschutzbehörde gesondert Stellung.

Um die von mir formulierten Forderungen mit Ihnen diskutieren zu können, halte ich die Durchführung eines Anhörungstermins für unerlässlich. Im diesem Rahmen können weitere Aspekte der Lärmminderung erörtert werden. Ich bitte daher um die Ansetzung eines entsprechenden Termins."

Uwe Stäglin, Bezirksstadtrat

 

Dem Einwendungsschreiben beigefügt sind Stellungnahmen des Fb Grünflächen/Untere Naturschutzbehörde, des Fb Tiefbau und des Umweltamtes. Die Stellungnahme des Tiefbau- und Grünflächenamtes/Untere Naturschutzbehörde endet mit folgendem Absatz:

 

„Aus Sicht des Naturschutzes führt der Bau einer rd. 500 m langen und 6,00 m hohen Lärmschutzwand selbst zu einem dauerhaften Eingriff in Natur und Landschaft. Das Landschaftsbild wird in erheblichem Maße in einem sensiblen, denkmalgeschützten Ortskern gestört und negativ, durch Barrierewirkung, Verschattung, Verlust von altem Baumbestand, verändert (LBP Pkt. 2.4). Die Natur verliert eine Vielzahl von Einzelbäumen, die so wichtig als Sauerstofflieferanten sind. Sie absorbieren am Abend den bei der Abkühlung absinkenden Staub, filtern Verunreinigungen von den dahinter liegenden Verkehrswegen (Bahnlinien und Avus), Gereinigte und gekühlte Luft fließt durch das Blatt- und Kronenvolumen wieder in die angrenzenden Gebiete. Das Biovolumen der vorhandenen Großbäume, das für den Staub- und subjektiven Lärmschutz unverzichtbar ist und verloren gehen würde, kann durch die Anpflanzung von Sträuchern und einer Wandbegrünung nicht ersetzt werden.

Wolfsdorff

 

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Auch die Berliner Morgenpost hat sich am 8. November dem Thema Eisenbahnmauer in Nikolassee angenommen. LESEN!

 

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